Chronik und Entstehungsgeschichte der Narrenzunft


In entsprechend bescheidenen und nicht wohlstandsverwöhnten Jahrzehnten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gab es schon in Heudorf Bemühungen um das Zustande-kommen fasnächtlichen Treibens. Sogar das „Bräuteln“ hat es in Heudorf gegeben. Zur Finanzierung der Kinderfasnet wurden Besen gebunden und verkauft.

Geordnete Formen nahm es aber wohl nie so recht an. Damit hatte dann im Jahr 1962 Xaver Oßwald mehr Erfolg. Im ehemaligen Gasthaus zur „Traube“ gründete er mit weiteren Bürgern die Narrengesellschaft, als Vorgängerin des heute aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenkenden Heimatvereins Heudorf. Anlass der Gründung war, eine Einladung der Narrenzunft Mengen, zu einem Umzug. Es gab einen Elferrat, 1 Prinzenpaar, 1 Kinderprinzenpaar, und diverse Narrengruppen.
Es wurden Wagen gebaut, mit denen man an den Umzügen in Mengen, Blochingen und Scheer teilnahm. Das wichtigste aber war die Heudorfer Kinder- und Ortsfasnet. Die Kinderfasnet wurde schon damals durch Sammeln von Frucht und Geld finanziert, was bis heute erhalten wurde.

Im Jahr 1969 gründeten dann Mitglieder der Narrengesellschaft den Heimatverein Heudorf.
Zweck war: die Erhaltung des Heudorfer Brauchtums und hier an erster Stelle weiterhin die
„Heudorfer Ortsfasnet“, weshalb auch die Narrenabteilung wieder angegliedert wurde.

1971 entdeckte der damalige Heimatforscher. Walter Bleicher, die Sage vom „Lochwiesen-
Weible“, der ersten Heudorfer historischen Narrenfigur. 1982 kam dann (entdeckt in einem
Heimatbuch von Bruno Stehle) die 2. Figur der „Hoida-Josef“ dazu. Komplettiert wird die Narrenzunft von den Zunfträten, dem Büttel und der 3. und gleichzeitig jüngsten Figur, den „Heudorfer Kuckuck“.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Narrenzunft Heudorf ist aber zweifellos die Gründung
der „Narrenbruderschaft Obere Donau“ am 11.09.1986 in der Kellerbar des damaligen
Zunftmeisters Herbert Ludy, der gleichzeitig einer der Urheber der Narrenbruderschaft Obere Donau ist. Vollzogen wurde diese Gründung mit Unterzeichnung der ersten Gründungsurkunde beim ersten Narrentreffen der Narrenbruderschaft Obere Donau, am 27.02.1987 beim ersten Bruderschaftsball in der Mehrzweckhalle in Heudorf.

Begleitet werden die Heudorfer Narren zu den wichtigsten Narrenumzügen vom
„Musikverein Heudorf e.V., als selbstständiger Verein.


Beschreibung der Heudorfer Fasnetsfiguren:

Das Lochwiesen-Weible
1.Heudorfer Narrenfigur seit 1971. Eine gute Kräuterfrau. Der Sage nach handelte es sich um die ehemalige Burgfrau von Reischach, die von einer wilden Horde geschändet, entehrt und zusammen mit ihrem kleinen Sohn entführt wurde. Ein Schäfer fand die halbtote Frau und pflegte sie gesund. Das „Weible vom Wiesle“ wie Sie genannt wurde, sammelte Wurzeln und Kräuter und stellte Heilmittel her. Die Leute kamen von überall her und nahmen ihre Heilkünste in Anspruch. Man nannte sie deshalb fortan: das Weible vom Lochwiele, oder das „Lochwiesenweibel“. Nachdem die Frauen anfangs nur Kunstmasken trugen, wurden 1976 nach den Entwürfen des Saulgauer Steinmetz Egon Leeuw die ersten Holzmasken gefertigt. Der geflochtenes Korb und die Bonbons, die bei den Umzügen ausgeworfen werden, sollen die gute Kräuterfrau symbolisieren.

Der Hoida-Josef
2. Heudorfer Narrenfigur, seit 1981 zuerst als Einzelmaske, wurde aber bereits ein Jahr später zur Maskengruppe ausgebaut. Nach einem Eintrag im „Hohenzollernbuch“ soll dieser wilde Geselle in der Feldmark zwischen Heudorf und Hitzkofen sein Unwesen getrieben haben. Der hat blutig-rote Augen,
einen Strick um den Hals und hängt eine fürchtige „Lälla“ herab. Ein mutiger Heudorfer Hirte, der ihm einmal entgegentrat, brach wegen seines grässlichen Gesichts ohnmächtig zusammen und soll daraufhin noch lange krank gewesen sein. Er ging nie mehr durch die „Hoida“. Er hot am „Hoida-Josef“ g`nuag g`kriagt“, sagte der damalige Kuhhirt, oder auch „Hiatle“ genannt.

Der Heudorfer Kuckuck
3. Heudorfer Narrenfigur seit 1994. Die Heudorfer werden seit jeher in der ganzen Umgebung nur „Kuckuck“ genannt. Wobei es sich um einen sogenannten Übernamen hantelt. Dabei kam es früher oft zu wüsten Prügeleien, wenn man die Heudorfer als „Kuckuck“ gezeichnete. Woher der Name genau kommt ist nicht genau bekannt. Es gibt hier verschiedene Geschichten.
Diese Heudorfer Narrengruppe hat einen eigenen Narrenruf: „Heudorfer – Kuckuck“

Der Zunftrat
Nach der Gründung der Narrengesellschaft, die anfänglich einen rheinischen Karnevaleinschlag hatte, gab es erstmals einen Elferrat. Dieser wurde dann im Jahr 1976 neu eingekleidet und in Anlehnung an die Grafschaft von Reischach in Zunftrat umbenannt. Die Kleidung sollte an die Burgherren erinnern. Nachdem die Häsfarben des Zunftrats anfangs Blau u, Weiß war, wurden sie bei einer 2. Änderung im Jahr 1992 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums in die Naturfarben Grün und Beige umgewandelt. Auch dieses Häs, das bis dato seinen Bestand hat, soll weiterhin an die Gewänder der Burg- und Schlossherren zur Zeit der Grafen von und zu Reischach erinnern. Es ist vom Stil her gesehen, dem vorangehenden Häs ähnlich.

Der Büttel
Seit 1982 vervollständigt der Büttel als Einzelfigur wieder die Heudorf Narrengruppe.

Der Narrenruf
Der Hauptnarrenruf lautet seit 1971: „Heudorf – He-Lo“